Der letzte Caipirinha

Der letzte Caipirinha ist getrunken, dIe Piazza des Dorfes leert sich, die Sterne funkeln in der klaren Nacht und das Meer rauscht unermüdlich tag ein tagaus. Die Grillen zirpen um den Partner fur die Nacht zu finden und meine Gedanken schweifen von dem erlebten der letzten Tage und Jahre wieder in Richtung morgen und übermorgen. Mit all dem erlebten und dem gelernten kann man auch beruhigt und gelassen nach vorne schauen. Wissend, dass die Menschen, die einem sehr nahe standen und nicht mehr unter den Lebenden weilen, eine schutzende Hand über einen halten, andererseits darauf bauen, aus diesem Wissen etwas neues aufzubauen zu können. Sicherlich werden die einen oder anderen Irrwege begangen werden, aber die gehören zum Leben und bereichern es genauso, wie sie vielleicht Schmerzen werden. Das schöne daran ist, dass noch so viel Potential, so viele interessante Dinge auf dem weiteren Weg liegen, die es nur gilt in die richtige Wertigkeit zu bringen und mit entsprechender Energie zu verfolgen. Dieser Gedanke bringt mich zurück zu einem schweigeseminar, welches ich 2012 in einem Kloster mitgemacht hatte. Dort hatte ich nach einer Yogaubung vor dem schlafengehen einen Traum. Ich schwamm in einem Fluss, der angenehm warm war, wissend, dass der Fluss in das Meer mündet. Am Flussufer ging es recht steil bergauf, die Hänge waren mit jungen Bäumen. Bewachsen. Die Stamme waren noch zart und biegsam, standen aber fest mit ihren Wurzeln im Hang. Wissend, dass ich den Weg über den rechten Hügel zum Meer abkürzen kann, wollte ich mich an den jungen Bäumen aus dem sachte dahinfliessenden Fluss herausziehen und nach und nach von Stamm zu Stamm den Hügel hinaufziehen, den Weg zum Meer abkürzen. Doch die jungen Stämme gaben elastisch nach, ermöglichten mir nicht, den Fluss zu verlassen und ich musste dem Fluss weiter folgen, ohne zu wissen, wie lange es noch dauern würde, das Meer endlich zu erreichen. Als ich am nächsten Morgen in die 0600 Andacht ging, hielt die Oberin eine Predigt über den Fluss des Lebens, weil es eine Andacht für eine kurz zuvor verstorbene Nonne ging. Und da ist mir erst die Erkenntnis gekommen, dass ich es meinem Vater nach.achen wollte, mich aus dem Leben ins grosse Meer der Verstorbenen schleichen wollte, aber die jungen Stämme, die ich heute als meine Kinder interpretiere, mich noch nicht lassen wollen und mich noch brauchen. Mein Vater wusste, dass wir auch ohne ihn zurecht kommen werden, meine Kinder konnten und können es noch nicht. Dies war der Augenblick, wo ich meinem Vater seinen Freitod, den er einfach durch Hungern auf sich nahm, verzeihen konnte, gleichzeitig ich wusste, dass ich noch fur meine Kinder da sein will, solange ich kann und mindestens solange sie mich brauchen. Und ich es nicht selber zu entscheiden habe, sondern es erkennen werde, wenn meine Zeit gekommen ist. Und je länger dieser Traum zurückliegt, umso mehr glaube ich daran, dass diese jungen Bäume nicht nur meine Kinder sind, sondern auch meine Ideen und Projekte. Solange die noch kommen, noch nicht vollendet sind, noch nicht in gute Hände übergeben sind, kann ich noch nicht gehen. Und das ist gut so. Auch wenn ich heute dabei bin, einige Projekte, wie z.b. die Verantwortung fur das Familienvermogen nach und nach meinen Kindern nahe zu bringen, kommen neue Projekte und Ideen hinzu. Auch kommen neue Menschen in mein Leben, nicht so viele wie früher, aber dafür vielleicht wichtigere, geistig intensiver beanspruchende, nicht oberflächliche, weil die mich mehr interessieren und inspirieren.

Ich habe sehr wohl gelernt, dass es wichtiger ist, eine Handvoll Menschen als Freund zu haben, als eine Hundertschaft guter Bekannter. Dies hat mir vor bald vierzig Jahren meine Mutter mal gesagt, dass es so sein wird. Die Gelegenheit war bei einer von mir ausgerichteten Party, die etwas aus dem Ruder lief und mehr als 80 oder 100 Leute da waren, vielleicht waren es auch nur 50. Auf jeden Fall wollte meine Mutter wissen, wer das denn alles sei. Darauf antwortete ich leicht betrunken…. Das sind alles meine Freunde….. Von diesen ganzen damaligen Freunden sind mir exakt 1 geblieben. Und das ist Karsten.

Karsten wird öfters vorkommen und bekommt auch sicherlich ein eigenes Kapitel. Er ist der einzige Mann, dem ich nie böse war, dass er zu Babe, die ich sehr sehr gerne mochte und vielleicht, sogar bestimmt, liebte, ein sehr gutes Verhältnis hatte und vielleicht sogar mehr.

Karsten war bei meiner ersten und meiner dritten Ehe Trauzeuge, bei der zweiten morgens um halb acht am Standesamt dabei, was ich ihm sehr hoch anrechne. Er und seine Ehefrau Barbara sind mir bisher immer in allen meinen Lebenslagen gute Berater und Begleiter gewesen und geben mir bis heute das Gefühl, immer willkommen zu sein.

Jetzt wird mir auch bewusst, warum ich derjenige bin, der immer den Kontakt hält, egal wo ich mich gerade herumtreibe. Weil ich ja derjenige bin, der sich herumtreibt und den Kontakt halten muss, damit die anderen wissen, wo ich überhaupt bin. Und oft ist es ja so, das bevor die anderen wissen, dass ich da oder dort wohne, ziehe ich ja schon wieder weiter. Also werde ich aus der Rolle des Reisenden nie herauskommen. Oft bin ich derjenige auf Festen mit der weitesten Anreise.

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Ich stelle mir gerade vor, ich sei eine von diesen Dachpfannen. Ich bin einen von denen, deren runder rucken zum Boden liegt und der Bauch der Sonne zugewandt ist.

Es ist schon , in den Himmel zu schauen und dem Wechselspiel der Wolken, der Schatzen, des Tages und der Nacht, die Regentropfen und all das anzusehen. Von seinen lieben Nachbarn eng umschlungen zu sein, ineinandergejakt, friedlich gemeinsam da liegend. Doch würde es mich interessieren mit eigenen Augen zu sehen, was denn hinter meinem Rücken passiert, tagsüber oder Nachts. Ich kann mir immer nur die Geschichten meiner Machbarn anhören, die im Gegenzug hören wollen, was denn hinter deren Rucken passiert. Egal, wie man gebettet ist, mam mochte doch immer herausfinden, was hinter einem passiert.

Hier gibt es viele Geschichten zu erzählen

Ostern 2016 – Barra do Itarirri

Flug DE2344 von Frankfurt nach Salvador, es ist Ostersonntag im Jahr 7 danach. Es geht zurück an den Ort, wo sich alles so gut angefühlt hat, wo das, was in Indien begann, besiegelt wurde und das Leben so veränderte.

Es hat was masochistisches alleine zurück in die Zukunft zu reisen, aber es muss sein. Es muss sein, um wieder wirklich frei zu werden, Abschied nehmen, trauern, Hoffnungen auf ein Wiederfinden des Verlorenen beerdigen.

Nur so kann Zukunft aktiv gestaltet werden, nicht sich fremdbestimmt treiben lassen, sich schwanzgesteuert in Beziehungen hineinstürzen.

Es gibt halt nicht wirklich viele Menschen, bei denen die intellektuelle Augenhöhe passt und dann noch gleichzeitig die Pheromone mitspielen, die körperliche Anziehungskraft, die Lust, den anderen Körper zu berühren, als unbändiges Begehren spürbar wird.

Wo das Spiel mit den Fingern des Anderen sich anfühlt wie das wildeste Vorspiel und ein Feuerwerk im Bauch verursacht.

Genau dies ist vor zwanzig Jahren auf wundersame Weise wahr geworden, passiert, und vor sieben Jahren zerstört worden. Unwiderruflich.

Auch wenn es in Drehbüchern anders geschrieben steht, wie bei dem Film Crazy Stupid Love, ein zerstörtes Vertrauensverhaltnis kann man nicht wieder retten oder wiederbeleben. Das wird beerdigt wie ein abgetriebenes Kind und der Partner, der sich nicht fur das Ungeborene entschieden hat, gleich mit, zumindest das Gefühl für ihn.

Aber es tut halt weh, begraben alleine reicht nicht, Abschied nehmen, Trauerarbeit leisten. Und dazu stehen, eine tiefe wahre Liebe erlebt zu haben, die ganz tief im Innern auch weiterleben darf, in dem Bewusstsein,

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dass es ein unbezahlbarer Schatz ist.

Das Erlebte, die gemeinsam verbrachte Zeit und die gespürte Sehnsucht bei den Zeiten der räumlichen Trennung wegen fremdgesteuerten Verpflichtungen – all das kann niemand mehr nehmen und bleibt erhalten.

Wie selbstverständlich und der gemeinsamen Vergangenheit geschuldet stand Luis mit meinem Patenkind Maria Clara am Flughafen, um mich zu begrüßen und mir die Ankunft leicht zu machen. Und es war auch so, leicht, mit einem Gefühl der Freude, gleichzeitig der Melancholie an frühere Zeiten. Die Familie hilft mir bei dem Beginn eines neuen Kapitels meines Buches und das ist schön.

Irgendwie passt das Osterfest zu dem Thema meiner Reise – Wiederauferstehung. Im Herzen die Menschen tragend, die einem viel bedeutet und wesentliche Lebensabschnitte begleitet und beeinflusst haben.

Ein permanenter Luftzug zieht durch die Wohnung im fünften Stock eines Hochhauses nahe am Strand und macht die nächtlichen Temperaturen um die 25 grad sehr erträglich. Der Blick vom Balkon auf das Meer wahrend des Sonnenaufgangs lasst die lange Flugreise schnell vergessen, obwohl schon der Flug recht angenehm war, bis auf die kalte Zugluft bei meinem Sitzplatz am Notausgang, die mir eine leichte Erkältung eingebracht hat.
Nach dem Mittagessen des ersten Tages endlich die Fahrt nach Barra do Itarriri. Hier werde ich nun die Zeit nutzen, meine Gedanken zu formulieren. Das Meeresrauschen deutlich hörbar als permanenter Begleiter meiner vermutlich geerbten Sehnsucht nach der Ferne. Kaum angekommen und die auf dem Weg noch schnell gekauften Früchte und natürlich zwei mir noch unbekannte Cachaca Marken ist die Sonne bereits untergegangen. Am dunklen Himmel zeigen sich sehr schnell die Sterne in einer Vielzahl, die nur in Gegenden mit wenig Licht aus dem Umfeld sichtbar werden. Die Milchstrasse ist deutlich zu erkennen und lasst sich natürlich nicht mit dem Handy ablichten. Dieser Ort gibt mir das absolute Gefühl der Weite unserer Welt und die Bestätigung unseres unwesentlichen Seins im grossen Weltgeschehen. Wie heist es noch im Lied von Reinhard May? Wie nichtig und Klein wir doch sind, uns aber im tagtäglichen Leben so ungemein wichtig nehmen und geben. Es ist fur meine Sache genau der richtige Ort und mein Wunsch, den ich vor 19 Jahren geäussert habe, hier mein Buch zu schreiben, war und ist richtig. Wenigstens den Anfang machen.

In Ermangelung von Eis habe ich eine Maracuja mit Pinga und einem kleinen Löffel Zucker angesetzt. Wie lecker doch frische reife Maracuja ist…..

Angelita, die gute Seele des Strandhauses ist nach dem Bereiten des Kaffes und einigen Aktualisierungen der Geschehnisse der letzten zwei Jahre wieder nach Hause gegangen. Ihre 25 jährige Tochter ist wieder Schwanger, diesmal von einem 17 Jährigen. Wie sagt man, der Apfel fällt nicht weit vom Baum. Angelita selber ja ihre 3 oder 4 Kinder auch selber durchbringen müssen, weil die Vater sich nicht gekümmert haben. Mit ihren 57 Jahren sieht sie aus wie 75. Das Leben hat deutlich seine Spuren hinterlassen.

Ein Maultier läuft vor dem Haus am Strand auf der Suche nach Futter vorbei und bringt meine Aufmerksamkeit wieder auf die Umwelt. Immer mehr Sterne zeigen sich. Es ist so beruhigend schön.

Es ist auch richtig, dass ich alleine hier bin. Keine Ablenkung, der Zwang, portugiesisch zu sprechen bleibt erhalten. Ich bin der Familie so dankbar.

Nach einem langen Spaziergang am Strand, einer Begegnung mit drei Vaceiros auf ihren mageren Pferden , 7 Rinder vor sich hertreibend, hat ein kurzes Bad in der Flussmündung die notwendige Abkühlung gebracht. Als wenn es abgesprochen war, fängt es nach der Rückkehr ins Strandhaus wieder an zu regnen.

In der Hängematte liegend nutze ich die Gelegenheit, weiter zu schreiben.

Ein kleiner Strandkrebs hat sich eine sterbende Libelle gepackt, die sich kaum noch wehren konnte, als sie in den Eingang des Sandlochs gezogen wurde. Es ist faszinierend, wie die Natur ihre Möglichkeiten nutzt, trotz der von Menschenhand veränderten Umwelt. Auch dies zeigt einem wieder auf, welch kleine Rolle das Individuum im grossen Geschehen spielt. Sehr beruhigendes Gefühl und eine Aufforderung, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.

Das leichte Schaukeln der Hängematte im angenehmen warmen Wind macht etwas schläfrig und der weiche Stoff, der sich wie eine zweite Haut anschmiegt, mit seinem Geruch nach feuchtem Holz vom Schrank, wo sie üblicherweise gelagert wird, geben ein wohliges Gefühl, laden ein, die Augen zu schliessen und ein kleines Nickerchen zu machen.

Vor den geschlossenen Augen tauchen die letzten zu Bildern gewordenen Gedanken auf an eine sehr angenehme Dame, die ich kürzlich kennenlernen durfte. Ein wohliges kribbelndes Gefühl breitet sich im Bauch und Unterleib aus und ich verspüre ein erregendes Gefühl.

Angelita weckt mich aus dem schönen Gedanken auf, bietet mir frisch aufgebruhten Kaffee an. Sie Weis, dass ich ihn schwarz trinke, ganz unüblich für brasilianische Verhältnisse, die alles sehr süss machen, auch die schon von Haus aus süssen Fruchtsäfte. Sie ja auch Paon do Sal (Brötchen) mitgebracht. Ich esse eines ohne Butter zu ihrem Erstaunen und spüre sofort, dass ich hier bin. Beim kauen spüre ich hier und da den Sand, ein deutliches Zeichen dafür, dass die Brotchen hier gebacken wurden. Es ist immer etwas Sand im Mehl.

Die Mittagssonne hat den Sand zum Strand soweit aufgeheizt, dass man kaum darauf gehen kann ohne Schuhe. Das Meer ist angenehm warm, leider an dieser Stelle zu gefährlich, um schwimmen zu gehen. Die Strömung ist hier extrem. Deshalb gehen die Leute hier im Brackwasser der Flussmündung schwimmen, obwohl dort bei Ebbe die Strömung ebenfalls sehr stark sein kann.

Der Blick schweift in die Ferne über das Meer und die Gedanken gehen auf Reise.

Es ist sehr schön, eine Familie zu haben, Freunde überall auf der Welt, sie zu besuchen, einige Tage zu bleiben, eine schöne Zeit mit ihnen zu verbringen mit dem Wissen, dass man bald wieder seine Wege geht.

Wie Heisst es doch so nett? Besuch ist wie Fisch – nach drei Tagen fängt er an zu riechen….
Diesen Spruch habe ich in meiner Kieler Zeit gelernt. Die Norddeutschen haben so was angenehm kühl -trockenes an sich. Mein damaliger Nachbar Bernd, ein absolut 100%iger Kieler, hat mir nicht nur Kiel ins Herz gebracht, sondern auch die Liebe zu Norddeutschland und dem dortigen Wetter..

Von Bernd kam der Spruch mit dem Fisch. Ein herzensguter Mensch, Stadtplaner, entsprechend kannte er jeden Stein und jede Erhebung der Stadt, unter der sich oftmals die Trümmerhaufen aus dem zweiten Weltkrieg befanden.

Zu seinem 60.ten Geburtstag habe ich seine wichtigsten Freunde aufgesucht und gefilmt, sie ein paar Worte sprechen lassen, was sie mit Bernd verbindet. Son konnte ich seine Spuren und sein Leben für ihn zusammentragen. Alle sind auch zu seiner Feier gekommen und wir haben tränen gelacht.

Bei Bernd war es recht einfach, da er ausser zur Kinderlandverschickung Kiel nie verlassen hat und immer seiner Heimat treu geblieben ist. Für meinen 60. Geburtstag wäre es schon sehr schwierig, so oft wie ich schon umgezogen und umhergereist bin. Letztendlich wird es mit der Anzahl von Freunden einfacher, weil es hier nur eine kleine Runde gibt, jedoch ein wenig verstreut in der Welt.

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Der mir so bekannte Geruch der Verwesung weht um meine Nase. Es kommt von dem frisch angelegten Müllhaufen nahe dem Strandhaus. Die Brasilianer haben echt keine Wertschätzung der Schönheit des Landes. Weil der Mullplatz des Dorfes bereits voll ist, haben sie provisorisch einen neuen eingerichtet, direkt am Strand, wo der permanente Wind vom Meer kommend den Duft der Verwesung über das Dorf weht. Wie einfältig und irgendwie beängstigend wie die Menschen mit ihrem kostbaren Land umgehen…. Die Tiere, Mulis, Pferde und Hunde suchen im Müll nach was essbaren. Wie in Indien. Angeblich wird einmal die Woche der Mulltrecker kommen und den Haufen abtransportieren….

Ich schaue gerade meine Füsse an, die ein wenig spannen. Der lange Spaziergang im weichen Sand hat die einzelnen Fussknochen ganz schön beansprucht. Vermutlich habe ich morgen Muskelkater in den Fussmuskeln. Es tut gut, seinen Körper zu spüren, nach innen zu horchen und feststellen, dass es einem gut geht.

Wie gerne würde ich aus diesem schöne Flecken Erde ein nachhaltiges Paradies in Kooperation mit den Einwohnern machen. Ein wenig mehr Achtung vor der Natur belohnen mit mehr Einkommen aus dem Tourismus. Wöchentlich einmal den langen Strand mit einem Trecker abfahren und den Müll einsammeln, der teilweise vom Meer angespült wird, teilweise von den Bewohnern selbst liegengelassen wird.

Auch das befahren des Strands mit buggies und Motorrädern ist für die Natur und die vom Aussterben bedrohten Schildkröten absolut überflüssig – aber den Einheimischen so schwer nahe zu bringen.
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Die Nacht ist wieder von jetzt auf gleich eingebrochen. Sobald es dunkel ist stimmen die Grillen ihren Nachtgesang an, gepaart mit dem Meeresrauschen ist es ein wohlklingendes Konzert.

Das Abendessen war hervorragend. Gegrillter frisch gefangener Fisch mit Pimenta, Salat und natürlich Farofa. Die darf nicht fehlen.

Vollkommen gesättigt bin ich schon wieder reif fur das Bett. Aber es ist noch zu früh, schlafen zu gehen.

Den erotischen Gedanken von Mittags habe ich noch sehr gut in Erinnerung und werde ihn nochmal vertiefen.

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Die Sonne geht langsam auf, nachdem es in der Nacht trotz anderslautender Vorhersage von Angelita geregnet hatte. Ich trinke meinen Kaffee, schaue aufs Meer, sehe in der Flussmündung einen Fischer und muss aus einem unbekannten Grund an die Geschichte vom kleinen Yak denken.

Dem kleinen Yak, der auf dem Dach der Welt geboren wurde, sich aus Neugierde darauf, was denn unten im Tal und in der Welt so los und anders ist, auf den Weg macht, alles zu erkundigen.

Eines Morgens schnallt er sich den Rucksack auf und zieht los, sich ein letztes mal nach seiner Mutter und seinen Geschwistern umdrehend, die mit Tränen in den Augen im Zuwinken.

Ich hatte diese Geschichte für meine drei Jungs erfunden, als ich sie nur noch alle 14 Tage sehen durfte und zu der Zeit keine Vorlesebucher geschweige denn Spielsachen oder einen elektronischen Babysitter (Fernseher) besaß.

Die Kinder fanden die Geschichten, die der kleine Yak erlebte spannend und konnten nicht genug von ihnen hören. Die Zwischenfragen erlaubten eine Art Interaktivität und gaben der Geschichte was einmaliges individuelles, weil die Jungs teil davon geworden sind. So haben sie schon sehr früh gelernt, was Phantasie ist und wie wichtig diese ist.

So wie das Meer sind halt auch die mächtigen Berge die Sinnbilder der übermächtigen Natur, die unser Leben so unwichtig erscheinen lassen.

Als ich vor dreissig Jahren mit meinem Rucksack auszog, um nach dem Sinn des Lebens zu suchen, nach meiner Aufgabe als Individuum, war der kalte Krieg und der Einstieg in die Atomenergie aktuell. Ich wollte die Welt verändern, wollte keine Kriege und keine Zerstörung der Natur, wollte ein besseres Umverteilungssystem des Wohlstands. Ich wusste damals, dass die damals vorherrschenden Wirtschafts Systeme des Kapitalismus wie auch der Kommunismus nicht wirklich funktionieren und an dem Egoismus der einzelnen handelnden Personen scheitern mussten. Und wie sich es dreissig Jahre später bestätigt auch gescheitert sind.

Interessant ist, dass die Spielregeln, die in den jeweiligen Systemen aufgestellt werden, nicht fur alle gelten. Nur fur die Masse der jeweiligen Bevölkerung, aber nicht fur diejenigen, die in irgendeiner Form über Macht verfügen. Seien es die politisch aktiven Führer oder die führenden Unternehmer. Jeder ist um den Erhalt und die Ausweitung seiner Machtposition bemüht, auf Kosten der Allgemeinheit. Dabei in Kauf nehmend, dass geltende Spielregeln gebrochen werden.

Auch wenn in meinem Heimatland sogar im Grundgesetz verankert ist, das Eigentum verpflichtet, spielt es im wirklichen handeln der Machthabeneden keine Rolle.

Dies als Vorbild und damit aufwachsen führt dazu, dass sich jeder nur um seinen eigenen kleinen Wohlstand bemüht, den Dreck vor dem eigenen Haus einfach zum nächsten Nachbarn weiterschiebt, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was der damit dann anfangen soll.

So passiert es im Kleinen, weil es die Grossen vormachen. Die Krise der Banken, von den Mächtigen verursacht, wurde vor die Türe jedes kleinen Einzelnen gekehrt. Die Mächtigen sind Mächtig geblieben, die Politiker sind die Retter der Not und Helden, das Problem behoben zu haben, auf dem Rücken der Allgemeinheit.

Und jetzt, wo so viele Kleine wegen der Habgier der Mächtigen vor den Machtkriegen flüchten, will sie keiner haben, die, die am wenigsten zu der Situation beigetragen haben und nur einfach überleben wollen, sei es wirtschaftlich oder auch politisch motiviert. Aber was ist schon ein Menschenleben wert gegenüber einer Bankenrettung oder einer auf wirtschaftlichen Lügen aufgebauten Nation wie Griechenland.

Weder im Kapitalismus noch Kommunismus, so wie die Systeme gelebt werden, gilt eine Moral. Nur was ist eigentlich Moral? Ist Moral das, was als Grundregel des Zusammenlebens in jeder
Religion beschrieben ist? Die zehn Gebote der Christen, die Gebote des Islam, die Grundregeln des Buddhismus oder Hinduismus oder alle zusammen?

Aber auch daran halten wir uns nicht, weil die Mächtigen der Glaubensrichtungen sich auch nicht daran halten, angefangen bei den Kreuzzügen der Katholiken.

Wie wäre wohl eine Welt mit mehr Verantwortung zu realisieren?

Es kann nur in kleinen Schritten passieren. Zuerst muss die Grundlage der schnellen Kapitalflusse entzogen werden. Hintergrund dieses Gedanken ist, das die Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital nicht der gleichen sozialen Verantwortung unterworfen sind und unterschiedlich an der Globalisierung teilnehmen können.

Die Volatilität der drei Produktionsfaktoren ist vollkommen unterschiedlich und wird nicht entsprechend steuerlich sowie Sozialsystem mässig gewürdigt.

Hier sind also zwei wesentliche Ansatzpunkte zur Betrachtung der sozialen Verantwortung im Zusammenhang mit der Volatilität.

Nur der Faktor Arbeit wird mit der Belastung zur Sozialversicherung herangezogen, daher die Flucht ins Kapital und in Grund und Boden. Bevorzugt jedoch in das Kapital, weil deutlich volatiler und global verschiebbar.

Wenn wir nun die soziale Verantwortung analog zur Volatilität gerechter verteilen würden, damit den Faktor Arbeit entlasten von der Kostenseite, Arbeitsplätze erhalten, weil es sich nicht mehr wirklich lohnt, mehr Kapital auf Kosten der Allgemeinheit zu schaffen, dann wäre den Mächtigen der Finanzmärkte die Grundlage entzogen, ohne soziale Verantwortung zu agieren und sie müssten sich tatsächlich mit Mehrwertschaffung beschäftigen. Denn nur wer Werte schafft, kann auch ein Wachstum generieren. Und Wachstum wird nicht erreicht, in dem man auf Kosten anderer den Umverteilungsprozess ausnutzt, nur weil man schneller ist als ein anderer und ausreichende Mittel zur Einflussnahme zur Hand hat.

Wenn dieser Gedanke eine Wirtschaftsregion wie die EU als Basis nehmen würde und die UN es als Bedingung für Hilfen notleidender Länder als Bedingung formuliert, sind wir einer gerechteren Welt deutlich naher gekommen. Und die Volatilität der einzelnen Produktionsfaktoren lasst sich anhand der Bewegungsdaten sehr leicht für jedes Land und die Weltwirtschaft berechnen. Nur wer traut sich, diesen Gedanken auch fortzuführen und umzusetzen?

Vielleicht macht die Sonne meinem Hirn doch Probleme und der Spaziergang am Strand war zuviel.

Als ich damals loszog mit meinem Rucksack war ich der Meinung, dass man in diese kaputte Welt keine Kinder setzen darf. Alles empfand ich als verlogen und ungerecht. Auf meiner langen Reise habe ich vieles gesehen, schöne Natur und ganz liebe Menschen kennengelernt. Eine Willkommen-Mentalität bei fremden Menschen, die ich zwar von zu Hause gewohnt war, aber sonst nicht üblich in einer Wohlstandsgesellschaft. Ein plötzlicher Gast stört nicht sondern bereichert das Leben.

An einem Lagerfeuer, auf meinem Weg an der Ostküste Australiens Richtung Cairns änderte sich meine Einstellung zur Familienplanung. Eigentlich änderte sich meine Einstellung wegen zwei Fliegen, die vor meinen Augen aufeinander hockten um sich fortzupflanzen. Ich hätt sie einfach erschlagen können, habe aber darüber nachgedacht, dass die beiden Fliegen nur ihre Art erhalten wollen. Und das war der Schlüssel fur meinen Sinneswandel. Meine Art erhalten, meine Gene weitergeben. Vielleicht ist einer meiner Nachkommen in der Lage, die Welt langsam und sachte so zu ändern, dass mehr Gerechtigkeit und Achtung voreinander und mit Verantwortung fur die Umwelt, zu der jeder Einzelne ja nun auch zählt, Wirklichkeit werden kann.

So kam es dazu, dass ich recht kurzfristig nach meiner Reise auch die Mutter meiner Kinder kennenlernte und zielstrebig im Geiste meines Sinneswandels und unter den gegebenen Rahmenbedingungen des sozialen Umfelds mein Leben fortführte, lernte das System zu meinem Vorteil zu nutzen und meine diversen Irrwege verfolgte, welche mich letztendlich hierhin brachten, um diese Zeilen zu schreiben.

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Die politische Partei Respektive Soziale Union wird gegründet. Kurz RSU. Passt in vielen Sprachen und soll eine global aktive Partei sein können. Über die modernen sozialen Foren sollen Think Tanks geworben werden, die die Idee der an der Volatilität gemessenen Abgaben fur Steuern und Sozialversicherung im Detail ausarbeiten.

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft werden hauptsachlich im Kapitalmarkt zu spüren sein, da die Unternehmen in der Regel an der Wertschöpfung interessiert sind und sich darüber identifizieren. Der arbeitenden Bevölkerung kann es quasi nur von Vorteil sein, es sei denn, das Kapital flüchtet wie verrückt in Grund und Boden. Aber auch das wäre nur fur eine kurze Zeit ein preistreibender Faktor, weil dann sofort die Volatilität auf ein geringstmögliches Mass reduziert wird.
Einer Flucht ins Ausland wird nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn in diesen Ländern die neue Partei nicht erfolgreich ist. Aber ich bin davon überzeugt, dass ein vernünftiges Parteiprogramm und das Ziel der Volatilität – Abgaben so viele Bürger. Begeistern wird, dass in vielen Ländern bis zu 3/4 Mehrheiten möglich sein werden. Selbst Unternehmerfamilien werden es gut heissen, endlich eine politische Heimat gefunden zu haben, die dem Mehrwert-Gedanken gerechter wird.

Dagegen werden sein die Kapitalgetriebenen Unternehmen, Banken, Versicherungen und Hedgefonds Manager.

Eine deutlich vereinfachte Steuererklärung wie einst von Herrn Merz in Erwägung gezogen, eine Ende der Subventionspolitik von nicht staatsnotwendigen Unternehmen, eine deutlich vereinfachte Anstellung von Mitarbeitern auch in Haishaltsbereichen, gerade auch im Hinblick auf die derzeitig hohe Anzahl an neuen Mitburgern zur besseren Eingliederung und entghettoisierung, scharfe Strafen bei bewiesenen Korruptionsdelikten bis zur Enteignung, Festlegung von Mindestlöhnen über alle Branchen hinweg, keine Barauszahlung von Sozialhilfe, kein Kindergeld, dafür eine Teilung des Familieneinkommens durch die Köpfe der Familienmitglieder, steuerfreies Einkommen auf Basis des 13-fachen Mindestlohns, Schaffung von Lebenszeit-Arbeitskonten, um der unterschiedlichen Leistungsfahigkeit in den verschiedenen Lebensstufen gerechter zu werden….. Da fällt den Think Tanks sicherlich vieles zu ein….. Und wird im weiteren Verlauf dieses Buches hier und da sicherlich Ergänzung finden…..
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Der Volatilitätsabgabe ( 2/3 Steuer-1/3 Sozialkassenanteil) unterliegen Kapitalbewegungen in reine Finanzprodukte. Anlagen in sogenannte Sachanlagen wie Aktien, Gebäude Fahrzeuge oder Maschinen aber auch Tiere sowie Verbrauchsgütern wie Futtermittel oder Lebensmittel bleiben davon unberührt und werden nur mit der Mehrwertsteuer von einheitlich 25% besteuert. Auch davon gehen 1/3 in die Sozialkassen. Das Beamtentum wird abgeschafft. Das einzige Finanzprodukt, welches Volatilitätsabgabenfrei bleibt sind Staatsanleihen, um die Schuldenberge abzubauen und günstiger zu finanzieren.
Abschreibungen werden komplett abgeschafft, Ausgaben, die bisher Abschreibungsfahig waren können voll vom Gewinn abgezogen werden. Verluste können auf die Folgejahre übertragen und mit zukünftigen Gewinnen verrechnet werden. Dies gilt fur Firmen wie fur Privatleute.

Jetzt müssen die Denker ans Werk….

Für weitere Details bin ich zu Oberflächlich….

Die Hängematte ruft und ich gebe mich dem Meeresrauschen hin, spüre wieder meine Fussknochen, die durch die Wanderung am Strand wieder heftigst beansprucht wurden und wieder beweglicher werden.

Bevor die Sonne wieder wie ein Stein untergeht und der Sternenhimmel seine volle Pracht entfaltet, konnte ich noch schnell etwas Brot, Eier und Mangos kaufen.

Heute gibt es leichte Kost. Tomatensalat mit Zwiebeln, Olivenöl und das Brot. Nach der gestrigen Völlerei mit dem Grillfisch die richtige Abwechslung.

Als wenn es göttliche Fügung gewesen ist sah ich auf der heutigen Fahrt nach Conde zwei paarende Hunde. Ich musste in mich hinein grinsen und an die Phantasien der letzten Nacht denken. Es geht halt doch um das Eine, seine Art erhalten, auch wenn ich fur meinen Teil ein finales Ende dafür bereitet habe durch die Vasektomie in 2010. Ich habe meinen Beitrag zur Arterhaltung geleistet mit meinen drei Söhnen. Jetzt ist es an Ihnen, sich für oder gegen den gleichen Weg zu entscheiden und den Sinn für ihr Leben herauszufinden.

Die Partei sollte vielleicht besser Globale Soziale Union heissen um der Globalisierung der Zusammenhänge des Wirtschaftlichen tuns auch fur die Nationalpolitik zum Ausdruck zu bringen. Und doch sollte jede Kapitalbewegung mit der Volatilitätsabgabe belegt werden, bis auf Gehaltszahlungen, Zahlungen an und von Sozialkassen und Finanzämter. Nach meiner Einschätzung werden es 1% werden, wenn die Volatilität die Basis bildet. Das ist vertretbar, wird die sekundlichen Umherbuchungen wegen weniger Cents ausbremsen und den computergesteuerten Borsenhandel die Rentabilitat nehmen. Die Abgabe kann von den Banken einbehalten und abgeführt werden. Die sowieso schon bestehenden Plane, Bargeld abzuschaffen, wird auch die Flucht ins Bare reduzieren und illegales Geld wertlos machen.
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Ich merke, dass ich mich wieder frei machen muss von der Volatilitätsabgabe, aber ich finde die Idee ausarbeitungswert und diskussionsfähig….. Weltweit wird es sicherlich viele „likes“ geben….
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Heute morgen sind mehr Tiere vor dem Haus am Strand langelaufen als Menschen. Pferde, Kühe, Hunde und Mulis. Vermutlich ist es den Menschen genau wie mir viel zu warm.
……..

Der Anfang

Schon während der Schwangerschaft wurde meiner Mutter klar, dass sie es nicht leicht haben wird mit mir. Als zierliche Frau zeichnete sich ein riesiger Schwangerschaftsbauch unter ihren Kleidern ab und ein Kaiserschnitt war zeitig geplant. In einer Privatklinik auf der falschen Rheinseite kam ich in Köln-Mühlheim als vierter Sohn meiner Eltern zur Welt. Die Weichen für ein wonnepropiges Leben waren mit einer Körperlänge von 58 cm und einem Kampfgewicht von 10 Pfund gestellt.

Mit zwei Jahren trug ich bereits die abgelegten Hosen meines vier Jahre älteren Bruders. Bis zu meinem achten Geburtstag lebten wir in einer Bayer Siedlung am Kölner Stadtrand zu Leverkusen. Mein Vater war Ingenieur bei der damals größten Chemiefabrik im Rheinland und fuhr mit seinem Werksfahrrad zur Arbeit.

Unser erstes Familienauto war natürlich ein VW Käfer, wo ich in der Ablage hinter der Sitzbank meinen Platz hatte, wenn wir nach Bremerhaven zu den Großeltern gefahren sind. Im Stadtverkehr saß ich meistens bei meiner Mutter auf dem Schoß. Damals dachte keiner an Kindersitze und Airbags waren noch nicht erfunden, Sicherheitsgurte auf der hinteren Sitzbank waren noch nicht vorgeschrieben.

 

14.09.2009 – wieder eine Reise

Frankfurt, Terminal 1 Abflughalle, senator lounge. Ich warte auf das boarding meines Fluges nach Tokyo. Eigentlich nichts besonderes mehr fuer mich. Seit ueber 14 Jahren bereise ich beruflich Asien und andere Teile der Welt.

Aber etwas ist heute anders, ich fuehle mich leicht, so als ob meine Fuesse den Boden kaum beruehren und ich darueber schwebe. Warum denke ich gerade jetzt darueber nach, was in den letzten 48 Jahren meines lebens passiert ist?

Warum faellt mir gerade jetzt ein dass ich eigentlich linkshaender bin und ich im ersten schuljahr von rechts nach links, also in spiegelschrift geschrieben habe?

Damals wurde ich umerzogen und auf rechtshaender vergewaltigt. Ich glaube, damit fing es an.

Ich mochte nicht mehr zur schule gehen. Schreiben war schrecklich anstrengend und schmerzhaft. Die schrift war liderlich und kaum leserlich.

Meine freizeit wurde mir wichtiger. Da wir in einer bayer siedlung mit vielen kindern in der nachbarschaft gewohnt haben fiel es nicht schwer passende und unpassende spielkameraden zu finden. Natuerlich durften wir nicht mit den kindern von der anderen seite der schienen die durch das grosse feld hinter unserem 3 stoeckigen 6 Parteien Haus lag spielen. Das waren arbeiterkinder.

An den Gleisen habe ich oft mein Ohr aufgelegt um einen anrollenden Zug so frueh wie moeglich zu hoeren. Mein Opa muetterlicherseits war bei der reichsbahn.

Mein anderer opa war Kapitaen und seemann. Der hatte haende wie klodeckel. Eine riesen nase so wie ich sie wohl geerbt habe und immer ein beruhigendes und vertrauliches laecheln.

Ich glaube dass mein fernweh von beiden grossvaetern stammt. Ich liebte es immer auf dem weg zu sein. Bahnhoefe oder haefen und flughaefen aber auch alleine der blick auf das meer hat mich immer begeistert und eine magische anziehungskraft gehabt. .

Auf die wellen schauen und bis an den horizont blicken und nach einem schiff ausschau halten konnte mich stundenlang beschaeftigen. Natuerlich liebte ich auch die Piratenfilme und habe auch spaeter noch gerne Captain Hornblower gelesen.

Da ich der juengste von 4 Jungs war und meine Brueder 4, 7 und 9 Jahre aelter sind, wurde ich doch ziehmlich verhaetschelt. Ich war schon bei der Geburt 10 Pfund schwer und 58 cm gross. Da meine mutter nicht viel groesser war wurde ich per Kaiserschnitt auf die welt gebracht. Termingerecht und puenktlich.

Daran liegt es wohl dass ich zu spaet sein hasse und lieber 15 Minuten vorher ankomme als 1 Minute zu spaet.

Endlich. Eine etwas unterkuehlte weibliche stimme ruft den flug nach tokyo auf und bittet die senatoren lounge gaeste zum einsteigen. Leichten fusses gehe ich leise in mich hineinlaechelnd und meinen Gedanken nachhaengend die Gangway hinunter. Die anderen Fluggaeste nehme ich gar nicht so richtig war.

I’m flugzeug angekommen finde ich meinen sitzplatz 21 A am fenster, die letzte Reihe vor der Economy Class.

Dort In der Mittelsitzreihe hat sich eine dunkelhaeutige, schwarzhaarige und bunt gekleidete familie niedergelassen – vater, Mutter und 2 toechter – vielleicht 7 und 9 Jahre alt. Vermutlich stammt diese familie irgendwo aus dem mittleren osten oder so – aber was machen die in Japan?

Fuer den wohlverdienten urlaub wird sicherlich keine familie nach Japan fliegen und diese familie sieht auch nicht sehr wohlhabend aus – obwohl die zarten gesichtszuege der frau schon eine edle herkunft ausstrahlt.

Nun ja, was geht es mich an. Ich setze mich und mache es mir gemuetlich so gut es geht.

Cattle class nennen es Peter and Marion, Freunde in den 80zigern, lustige in Australien lebende und kettenrauchende Englaender mit schwarzem Humor und schlagfertiger Offenheit. Alle Zwei jahre kommen sie nach Europa und seit 10 Jahren verbringen sie auch immer ein paar tage bei uns – uns ? – wer ist Uns? Ich kann es mir noch nicht abgewoehnen, dieses UNS.

UNS gibt es nicht mehr, jetzt heisst es mir und mein und so – dabei war es mal egal, mein und mir – so egal dass ich eine sichere und wohlhabende Zukunft aufgegeben habe, meine Kinder I’m Stich gelassen und die Mutter ihrem schicksal ueberlassen habe. Sicher – gezahlt habe ich immer und sicherlich gab es keinen materiellen Mangel fuer die ehemals geliebten – aber mich halt nicht mehr in anwesender Person. Ich hatte der Liebe wegen alles aufgegeben, wegen einer Illusion der perfekten Partnerschaft.

Absolutes gegenseitiges Vertrauen, kompromissfaehigkeit, Offenheit und Diskussionsfaehigkeit – die Ideale einer persoenlichen Beziehung gepaart mit beidseitger sexueller Befriedigung und voller Harmonie, zumindest zu Beginn und dann eine ganze Weile. .

Diese Illusion ist mit dem Fortschritt des Lebens und der Herausforderungen des taeglichen Lebens verblichen. Es scheint eine magische Zeitspanne von 10 Jahren in meinem Leben zu geben – oder 12 Jahre?

1986, Als ich von meinem selbstfindungstrip aus Australien wieder zurueck nach schildgen kam, lernte ich die Mutter meiner zukuenftigen Kinder kennen und wir heirateten 1988.

1996, Als ich fuer die Bayer AG eine Marktstudie in Indien vor Ort durchfuehrte, lernte ich die Illusion des perfekten Partners kennen. 1997 verlies ich das materiell abgesicherte Familienglueck fuer die Illusion der wahren Liebe.

12/1998 Scheidung von der Mutter der Kinder und 9 Tage spaeter Heirat der Illusion.

2009 wird in die Geschichte meines Lebens als mein Jahr der haertesten Erfahrungen eingehen. Erst feiern wir I’m grossen Stil die 10 Jahre unserer Ehe, reisen mit 6 Personen nach Brasilien und laden die Familie und Freunde ein fuer eine Feier die sich keine 3 Monate spaeter als farce herausstellt

Dann stirbt mein Vater an selbstaufgabe – er konnte meiner dementen Mutter nichts mehr entgegensetzen und ihrer aggressionen gegen ihn nicht mehr standhalten – und kurz danach teilt mir die Illusion mit, dass sie sich in Luft aufloest und eigentlich nichts anderes war als das bereits bekannte Versionen einer Beziehung.

Nichts besonderes – halt eine gute Zeit und Stress und Spass und meistens guten Sex gehabt, viel gelernt und dann kein Bock mehr – aber mitnehmen was geht und sich noch irgendwie moralisch vertreten laesst aber rein rechtlich einem sowieso mindestens zusteht. Eigentlich muss man sich noch gluecklich schaetzen wenn die Moral noch zieht.

Wenn die Illusionen verblassen kommen die tatsaechlichen Werte zum tragen. Alles was man zaehlen, messen und wiegen kann. Jetzt weiss ich auch warum ich eine kaufmaennische ausbildung gemacht habe.

Die illusion geht und moechte bilanz ziehen. Was wurde gemeinsam erreicht? Was war der Anfangsbestand, was ist der Bestand am Stichtag?

Davon bitte die Haelfte – egal, ob in dieser Zeit der eine viel Zeit fuer ein Studium und fuer seine Zukunft genutzt hat, waehrend der andere seinen Arsch fuer die Kohle aufgerissen hat, auf familienleben und jeglichen Sex waehrend der teilweise wochenlangen Auslandsreisen verzichtet und nur fuer die gemeinsame zukuenftige finanzielle unabhaengigkeit gelebt hat – mit der wohlwollenden unterstuetzung sowie dem einverstaendnis der Illusion.

Natuerlich – dann gabe es ja viele Freiheiten und ein komfortables Leben ohne kompromisse schliessen zu muessen.

Welchen Anteil kann man geltend machen fuer verzicht? Fuer die Stunden des Korrekturlesens und noch besser der Formulierung von Teilen der Diplomarbeit der Illusion? Welche Zinsen und Zinseszinsen stehen dafuer in der Bilanz?

Was bedeutet Fairness bei einer Trennung? Ruecksicht auf die leistungen des anderen? Auf die Kinder? Auf die Zukunft? Welche und wessen Zukunft denn?

Waere es fair zu seinem Wort zu stehen? Als die vollkommende Illusion die Bedenken gegen eine Heirat mit dem vielversprechenden und illusorischen Satz „ich bin mit meinem Rucksack gekommen und werde damit auch wieder gehen“ wegwischt.

Ich fuer mich habe mein leben gelebt, bin 2 mal einer Illusion aufgesessen und habe 25 Jahre meines Lebens damit vebracht, es den Illusionen recht zu machen und Verantwortung zu uebernehmen.

Mein Vater hat es auf ueber 50 Jahre gebracht und stand zu seiner Verantwortung. Dann hat er aufgehoert zu essen, einfach so – und ist letztendlich verhungert.

Verhungern werde und will ich nicht. Meine verantwortung trage ich gegenueber meinen Kindern fuer die naechsten Jahre, bis sie soweit gereift sind, selber Verantwortung fuer sich zu uebernehmen – und fuer meine demente Mutter. Das wars dann.

Ich werde mein Leben geniessen und nageln was zu nageln geht und solange es geht. Ich werde das angenehme mit dem unausweichlichen verbinden und geniessen.

Die beiden schwarzhaarigen Maedchen sind irgendwie zappelig und noergeln permanent.

Die Einweisung in den Umgang mit Gurt, Rettungsweste und der Atemmaske fuer den eigentlich nicht moeglichen Fall des Druckverlustes in der Kabine wurde gerade beendet als sich das Flugzeug mit Hilfe des Bodenwagens Richtung Runway bewegt.

Ein kurzer Ruck ging durch die Maschine und die langen schwarzen Haare der beiden Maedchen flogen gegen die Bewegung des Kopfes hin und her.

Am Hals des kleineren Maedchen konnte ich eine breite Narbe erkennen. Sehr wulstig und breit. Scheint nicht von einem facharzt behandelt worden zu sein sondern nahezu stuemperhaft verarztet worden zu sein.

Ich schliesse die Augen und beginne davon zu traeumen was dem Maedchen widerfahren war dass es diese schrecklich haessliche Narbe erhielt. Als ich gerade sah wie ein Araber mit einem teuren Pferd in ein Dorf einreitet und seinen saebel schwingend ruft dass er alle toechter des dorfes unter 10 Jahren zaehlen und sehen moechte. Ging ein ruck durch das Flugzeug als es zum start auf der rollbahn vollen schub erhielt. Ich wurde in den sitz gedrueckt und sah trotz geschlossener augen wie die dorfbewohner aengstlich waren und zusammenzuckten bei jedem der worte des arabers auf dem edlen pferd. Es war der auserwaehlte und zustaendige Diener fuer des Scheichs Harem. Er waehlte die huebschesten und wohlgewachsendsten maedchen aus und brachte sie bei zeiten zum scheich zur endgueltigen auswahl und zur ausbildung in das harem.

Der vater der beiden madchen schickte beide toechter hinaus auf den dorfplatz zur begutachtung und zaehlung. Ueblicherweise gab es fuer die eltern der. Auserwaehlten maedchen eine reichliche entlohnung.

Der araber erwaehlte tatsaechlich die kleine aus – wohl wegen der grossen und hellbraunen augen – die so gar nicht zu den sonst eher schwarzwirkenden augen der anderen maedchen passten.

Das kleine maedchen wollte sich wehren und nicht mitgehen, strampelte und konnte sich doch nicht wehren.

 

Vorwort

In der Mitte meines Lebens stehend habe ich die Entscheidung getroffen, endlich mit dem Buch zu beginnen, welches seit bald 30 Jahren in meinen Gedanken herumschwebt.

Warum? Weil ich einfach glaube, den Menschen, die mich mein bisheriges Leben begleitet haben, auf diese Art und Weise meinen Dank, Anerkennung und meine Liebe zum Ausdruck zu bringen. Ohne sie wäre weder dieses Buch noch mein Leben so verlaufen, wie es bisher gewesen ist und ich wäre nicht Vater von drei Söhnen, die jeder für sich ein besonderes Kunstwerk sind und denen meine volle Liebe gehört.

Sicherlich ist jede individuelle Lebensgeschichte ein Buch wert und ich wünschte mir, dass mehr Menschen darüber schreiben, was sie so bewegt hat und durch welche Höhen und Tiefen sie gegangen sind, damit die interessierten Leser sich eventuell selber wiederfinden oder darüber nachdenken können, was sie in der einen oder anderen Situation gemacht hätten.

Eine ganz normale Lebensgeschichte